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Das große Comeback!

Nachbericht: Death Feast 2013

Wie ein Phönix erhebt sich das Death Feast wieder aus der Asche um Freunden des extremen eine unvergleichliche Death Metal Party der härtesten Sorte zu bescheren. Die Ankündigung, dass dieses Jahr das Festival, das mich 2011 so in seinen Bann gerissen hat, nun doch wieder statt finden soll, lies mein Death Metal Herz, und auch das vieler anderer Death Metalheads und Grindcore Sickos, höher schlagen. Doch kann die neue Location und die Tatsache, dass die Bühne nun in einer Halle ist, den Zauber des alten Death Feasts beibehalten?

Nach einer angenehmen und staulosen Fahrt von zwei Stunden kam ich am Abend vor Festivalbeginn in Andernach an und musste erstmal feststellen, dass der Zeltplatz fast leer war. Außer meinem Begleiter und mir waren noch genau drei weitere Besucher da. Eine weitere Besonderheit: Die Security kampierte neben den Besuchern auf dem Campground. Nun ja, man ist auf jeden Fall sicher. So direkt neben den Sicherheitsleuten. Wie auch immer. Zelt aufgebaut und die Gegend ausgekundschaftet. Die Location war doch wirklich wunderbar ausgesucht direkt neben dem Gelände befinden sich eine Pizzeria, ein kleiner Skatepark und ein Schwimmbad, welches bei der Hitze in den nächsten Tagen gerade recht kam.

Nach ein paar Stunden gemütlichem Beisammensein (oder so ähnlich...) mit unseren Zeltnachbarn trudelten dann doch noch ein paar Leute ein und der Zeltplatz füllte sich ein wenig. Gut, dass die Zeltflächen mit Sperrband markiert wurden, da die Security schon schlafen war. Mit schön ausschlafen war es nichts. Nach schon vier Stunden weckte mich die unfassbare Hitze die sich im Zelt anstaute. Nun ist es ja noch recht früh am Morgen und so richtig los geht es erst um 16:00 Uhr. Aber nebenan ist doch ein Schwimmbad? Tja, dann auf ins nasse Vergnügen. Badehose vergessen? Egal! Dann eben in Unterhosen! Zwei Wasserrutschen und ein Sprungturm mit fünf Metern Höhe. Und das direkt neben dem härtesten Festival Europas. Nach der feuchten Abkühlung und einer guten Pizza geht’s wieder an den Zeltplatz etwas ausruhen.

16:00 Uhr und die Pforten der Halle öffnen sich. Vor der Halle stehen drei Merchstände, zwei Bierwagen und eine Fressbude. Dadurch, dass alles so schön aneinander liegt und der Zeltplatz so klein ist, ist es gar kein Problem zwischen zwei Bands, die direkt hintereinander spielen ans Zelt zu gehen um was zu trinken, sich etwas zu essen zu holen oder ein bisschen Merch zu stöbern. Die Halle ist extrem winzig für ein Festival, allerdings passt es genau mit der Besucheranzahl von ungefähr 500 Leuten. Auch der Sound bei der ersten Band, The Colostomizer, war überraschend gut.

Die nächste Band die mich lockte, heißt Resurrected, die ich allerdings nur flüchtig kenne. Gefallen haben sie mir aber. Ein sehr ähnlicher Sound wie Severe Torture oder Prostitute Disfigurement. Schnell, hart, kompromisslos und ab und zu ein paar Breaks.

Danach geht es direkt weiter mit Viscera Trail, den drei Israelis, die mich schon auf dem ExtremeFest so umgehauen haben. Auch auf dem Death Feast haben sie es wieder geschafft. Statt in einer Windel trug der Sänger diesmal einen feschen Rock mit Leopardenmustern und eine schicke Gesichtsbemalung. Mit 45 Minuten Spielzeit spielten Viscera Trail eine viertel Stunde länger als auf dem ExtremeFest, was gleich doppelt so viel Spaß machte.

Nach Viscera Trail war mein Hauptgrund des Festivals an der Reihe. Die deutsche Vorzeige Death Metal Kombo Defeated Sanity. Zum dritten mal in diesem Jahr hatte ich die Ehre, einer Vorstellung dieser vier hochtalentierten Musiker beizuwohnen. Hierbei wurde das neue Album „Passages Into Deformity" komplett durchgespielt. Dabei waren aber auch Klassiker wie der Titeltrack des ersten Albums „Prelude To The Tragedy" und „Hidiously Disembodied" von der Psalms Of The Moribund Scheibe. Neben dem Circlepit war es auch ein Heidenspaß den vier Meistern auf der Bühne einfach beim Spielen zuzusehen. Alles in Allem der beste Gig des ersten Tages. Meiner Meinung nach.

Am zweiten Tag werde ich wieder einmal von der Sonne geweckt. Was macht man da? Genau! Ab ins Schwimmbad! Diesmal war es auch gut voll. Denn das gefühlt halbe Festival war da um sich eine kleine Abkühlung zu gönnen. Ein besonders schöner Anblick war es, wenn eine Meute Kinder die Leiter zur Rutsche hoch stürmte und sich dazwischen ein vollbärtiger Zottelbock befindet, der dann mit bösem Blick und einem Kampfschrei die Rutsche hinunter hechtet.

Nach der feuchten Abkühlung erstmal zu Gutalax. Meine Meinung hat sich wie auch auf dem Party.San nicht geändert: Musikalisch wirklich nichts tolles aber es macht live einfach einen riesen Spaß! Das selbe gilt für Rompeprop. Ich kann gepitchten Gesang einfach nicht haben. Doch der Live-Gig war einfach lustig, was aber auch hauptsächlich dem Publikum zu verdanken ist.

Aber wer mich dann auch musikalisch interessiert hat, waren die Spanier von Wormed. Nach dem unfassbar genialen Auftritt auf dem Neurotic DeathFest hatte ich hier hohe Erwartungen, die allerdings nicht ganz erfüllt wurden. Der Auftritt war zwar schon ziemlich gut. Das Set war gut ausgewählt und die Musiker waren motiviert, doch der Sound war zu Anfang etwas schwammig. Die Snare-Drum und die Gitarre waren die erste halbe Stunde einfach zu leise. Doch hatten die Mischer den Sound erstmal im Griff, war der Gig dann gegen Ende doch noch nahezu perfekt. Einzig schade fand ich es, dass „Xenoverse Discharger", der letzte Song des neuen Albums „Exodromos", nicht gespielt wurde.

Bamm! Mitternacht! Die nächsten 13 Stunden spielt erstmal nichts. Eigentlich eine gute Zeit sich ans Zelt zu hocken und ein paar Bierchen zu schlürfen. Wäre da nicht diese 90er Jahre-Pop-Party gewesen, die ich hier wirklich nicht unerwähnt lassen möchte, um zu verdeutlichen, welch spaßige Zustände auf diesem Festival herrschten! Unter einem kleinen Pavillon auf dem Zeltplatz ertönten aus den Boxen alte Hits aus dem letzten Jahrzehnt vor der Jahrtausendwende. I'm Blue von Eifel 65, Hit Me Baby One More Time von Britney Spears... Wer kennt sie denn nicht? Nach ein paar Minuten war dann auch schon das gefühlt halbe Festival unter diesem Pavillon mitsamt Security und Musikern, die mal so richtig die Sau raus lassen wollen! Circlepits gab es hier natürlich auch. Nach ein paar Stunden war es dann auch wieder vorbei, da der Pavillonbesitzer auch mal schlafen wollte. Ausgetanzt und kaputt gelacht zog es mich dann auch in die Heia.

Oh Überraschung! Am dritten Morgen wurde ich nicht von der Sonne geweckt sondern vom Regen. Doch nach einer gefühlten Stunde ließ dieser auch wieder nach. Am dritten und letzten Tag des Death Feasts kamen doch ein paar mehr Bands zusammen, die ich mir reinziehen musste.

Als erstes standen Acranius auf dem Plan. Auf die vier deutschen Slammer bin ich durch einen YouTube-Link von einem Facebook-Freund gestoßen, wo ich doch ein wenig neugierig geworden bin. An sich ein netter Gig, allerdings nichts wirklich besonderes. Einfach solider Slam. Viele Breakdowns, manchmal ein paar Blastbeats. Ein guter Start in den Tag.

Nach einer kleinen Stärkung geht’s gleich wieder mit deutschem Slam weiter. Begging For Incest haben die Ehre! Im Gegensatz zu Acranius empfand ich Begging doch etwas abwechslungsreicher und auch ein wenig technischer. An sich war der Gig auch definitv ein Highlight.

Nach einer kurzen Abkühlung, einer Melonenschlacht, einer Partie Müllgolf und dem Bau eines lebenden Müllmannes wollte ich mir dann mal Leng'Tche anschauen. Viel habe ich schon von dieser Band und ihren legendären Shows gehört, nachdem ich sie auf dem Eisenwahn 2012 verpasst habe. Und es war es nicht wirklich wert. Was ich hörte, war eigentlich nur 0815-Grind. Nicht wirklich schlecht, aber wirklich keinen solchen Hype wert. Positiv überrascht dagegen haben mich Fleshless. Schöner dreckiger old-schooliger Brutal Death Metal. Auch von dieser Band habe ich nie zuvor ein Lied gehört und war dann doch recht beeindruckt. Das selbe gilt auch für Carnivore Diprosopus, wobei diese fünf Herrschaften es mir doch etwas mehr angetan haben als Fleshless. Erstklassiger Brutal Death Metal der New Yorker Art. Diese Kombo sollte man definitiv im Auge behalten.

Ein weiteres Highlight an diesem Tag war die norwegische Slam-Maschine Kraanium. Wirklich großartige Performance der fünf Nordmänner. Mein erster Kraanium Gig überhaupt und ich wurde keineswegs enttäuscht!

So kommen wir auch schon zum Co-Headliner des Abends. Prostitute Disfigurement, die nach dem schon recht gelungenen Auftritt auf dem diesjährigen Eisenwahn noch einen drauf setzten. Kompromissloses Geknüppel der feinsten Sorte eben. „Shotgun Horror", „She's Not Coming Home Tonight"... Wieder ein super Set. Nun, wenn der Co-Headliner schon so geil ist, muss es der Headliner doch auch sein oder? Für mich jedenfalls nicht. Ganz oben am letzten Tag standen Milking The Goatmachine, welche ja nun gar nicht meins sind. Natürlich habe ich mal kurz reingeschaut. Aber so etwas muss man eben mögen, und ich tue es eben nicht. Ich möchte Milking-Fans aber auch nicht zu nahe treten. Geschmäcker sind eben verschieden.

Einen Müllpfand gab es auf dem Death Feast nicht. So sah der Platz am morgen danach auch aus als die Zelte sich lichteten. Nicht, dass mich das stören würde, ich muss es ja nicht wegräumen. Mir tun nur diejenigen Leid, die das eben tun müssen. Wie auch immer, schön war's allemal. Ein wahrhaft würdiges Comeback für ein großartiges Festival! Das Death Feast 2013 glänzte mit einer wundervollen Location, einem guten Sound, einer extrem freundlichen und verständnisvollen Security, tollen Bands und wirklich spaßigen Leuten. Es waren, so habe ich es mir sagen lassen, um die 500 Leute da und es ging einfach ab, als wären es ein paar Millionen. Ich hatte schon viel Spaß auf Festivals, doch das hier hat so ziemlich alles übertroffen, was ich auf Festivals erlebt habe! Sogar der meiner Meinug nach unpassende Headliner am letzten Abend konnte mir dieses erstklassige Festival nicht vermiesen.

Ich ziehe meinen Hut vor den Veranstaltern und dem, was sie auf die Beine gestellt haben! Nächstes ja bitte wieder so!

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Tristan

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