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Der Name ist Programm: Rockenhausen hat wieder gerockt!

Nachbericht: Metallergrillen 2014

Mittlerweile zum neunten Mal hat - dieses Jahr am ersten Septemberwochenende - das sehr gemütliche und familiäre Metallergrillen im Nordpfälzer Bergland stattgefunden. Ausgehend von einer Geburtstagsparty mit gut zwei Dutzend Gästen ist es inzwischen beachtlich angewachsen: Etwa 2000 Besucher haben sich auch dieses Jahr wieder auf dem alten Sportplatz des TuS Katzenbach am Ortsende von Rockenhausen versammelt um zu grillen und zu feiern.

Location

Das Metallergrillen findet am alten Sportplatz des TuS Katzenbach statt. Das Campinggelände ist zweigeteilt, wobei der erste Campingplatz recht nah am Eingang liegt. Um zum zweiten Campingplatz zu gelangen, braucht es noch ca. 200 m Fußweg extra. Direkt am Gelände fließt die Alsenz entlang, Baden ist allerdings aufgrund der Umweltauflagen verboten. Direkt hinter der Bühne und dem ersten Campingplatz verläuft die Eisenbahntrasse, in kurzer Entfernung verläuft die B 48. Man bekommt also Verkehrslärm von zwei Richtungen ab, aber der geht in der Hintergrundbeschallung aus diversen Anlagen auf dem Zeltplatz meistens komplett unter (gut so). Über weite Strecken ist der Zeltplatz relativ ebenerdig und der Boden ist nicht zu hart (was allerdings die Überschwemmungsgefahr erhöht, falls es doch mal heftig regnet). Vom Campground zum Infield ist es nicht weit und es gibt auch keinen separaten Kontrolleingang (kontrolliert wird nur am Eingang zum Campingplatz). Deshalb wird von der Crew auch darauf geachtet, dass nicht zu viel Dosenbier und andere alkoholische Getränke auf den Campingplatz gebracht werden (wenn jeder vor der Bühne sein eigenes Zeug säuft, ist an eine auch nur annähernd kostendeckende Durchführung des Festivals nicht zu denken). Außerdem trinke ich lieber kaltes Bier, das frisch gezapft wird als die warme Plörre aus dem Auto. Parken und Camping ist beim Metallergrillen getrennt, wobei es nicht übermäßig schlimm ist, dass man sein Zeug etwa 200 m schleppen oder ziehen muss. Viele haben sich gut vorbereitet und einen Bollerwagen im Gepäck.

Essen und Trinken

Über die Preise beim Essen und Trinken kann man sich wirklich nicht beschweren. Die Maß Bischoff Pils oder Weizen kostete 4,50 Euro, das vegetarische Essen war bei 3,50 Euro und Steaks wie Krustenbraten lagen bei 3 Euro. Daneben gab es noch Bratwürste und Rindswurst sowie Pommes. Morgens konnte man, wenn man nicht zu spät dran war, Rührei mit Speck und Brötchen ergattern (etwa um halb zehn war es üblicherweise ausverkauft). Es gab auch Weißwürste mit Brezen und süßem Senf. Der Kaffee war mit 50 Cent pro Becher sehr günstig und trotzdem nicht schlecht. Wer was Süßes frühstücken wollte, konnte auch eine Zimtschnecke oder ein Kaffeeteilchen bekommen.

Tag 1

Am frühen Nachmittag, als ich gerade angekommen bin, war auf dem ersten Zeltplatz schon reger Betrieb, aber ich habe trotzdem noch einen Platz für meine Hütte gefunden. Gegen 13 Uhr gibt es dann das erste Bier zusammen mit den Nachbarn, auf das später noch ein paar Schnäpse folgen sollten...

Kurz vor 17 Uhr geht es mit Thrash Metal los: PRIPJAT aus Köln, die dieses Jahr mit ihrem ersten Longplayer "Sons of Tschernobyl" am Start sind, eröffnen das Festival. Der Albumtitel kommt nicht von ungefähr und passt perfekt zur Musik, denn schließlich ist der Name des Quartetts abgeleitet von einer Geisterstadt in der Ukraine, unmittelbar neben dem 1986 explodierten Atomkraftwerk. Einer der beiden Gitarristen hatte mehrmals einen Saitenriss zu beklagen - vielleicht sollte er mal darüber nachdenken den Hersteller zu wechseln? Der Stimmung tut das trotzdem keinen Abbruch und die Besucher wissen die Show zu würdigen. Schon nach kurzer Anlaufzeit startet der erste Moshpit. Fans von Bands wie Kreator, Sodom und Slayer sollten sich PRIPJAT unbedingt mal live geben.

Nach einer kurzen Umbaupause geht es weiter - stilistisch zwar in eine andere Richtung, aber trotzdem keinesfalls weniger aggressiv: TUXEDO, das sind sechs Österreicher in traditioneller Tracht, bringen uns Metalcore mit Thrash-Metal-Einflüssen und zusätzlichen Percussions. Kurzum: Original Austrian Alpencore. Die Formation macht schon seit 2005 die Bühnen in Österreich und den Nachbarländern unsicher und hat letztes Jahr via Massacre Records ihr Debüt "Flowerfield Melodies" veröffentlicht. Neben einem zusätzlichen Schlagwerk als Ergänzung zu den Drums setzen sie ab und an auch auf die gute alte Kuhglocke. Der Sound unterscheidet sich meiner Meinung nach recht deutlich von dem "typischen" mitteleuropäischen Metalcore und die Jungs haben eine hervorragende Show abgeliefert.

 

Weniger brutal und mehr melodisch geht es nach dem Umbau weiter mit MAJESTY. Wie auch schon auf dem Metal Frenzy liefern sie eine sehr gute Show, wobei die Setlists schon sehr ähnlich waren. Opener war in beiden Fällen "We want his head" von der aktuellen Scheibe "Banners High" aus dem Jahr 2013. Der Titeltrack kam selbstverständlich auch noch. Zwei Songs waren auf jeden Fall beim Frenzy noch nicht dabei: "Into the Stadiums" und "Sword and Sorcery". Showtechnisch war absolut nichts zu beanstanden.

Es folgt nun der Headliner des Festivals: Die Frankfurter Thrasher TANKARD bringen reichlich Bier und gute Musik mit. Schon beim traditionell gewordenen Opener "Zombie Attack" geht die Party richtig los. Vom aktuellen Album R.I.B. gab es den Titeltrack und "Fooled by your guts". Seit längerer Zeit gaben sie auch mal wieder den Klassiker "Freibier" zum Besten. Am Abschluss ihrer fulminanten Show kommt wie erwartet "Empty Tankard". Als Nebenbemerkung ist noch die Ice Bucket Challenge von Gerre zu erwähnen. Er hat sich - wie sollte es auch anders sein - für Eiswürfel aus Bier entschieden. Nominiert hat er schließlich Mille von Kreator und Tom Angelripper von Sodom.

Nach der Headliner-Show folgen UNCHAINED aus dem Saarland. Das Quartett hat eine interessante Geschichte zu bieten: Angefangen mit Heavy-/ Power Metal, spielen sie inzwischen mehr Alternative Rock / Metalcore mit diversen Einflüssen. Ihr letzter Release ist das Album "Collision" aus dem Jahr 2013, wo man deutliche Parallelen zu Bullet for my Valentine heraushört. Ein gelungener Abschluss für den ersten Festivaltag.
Auf dem Zeltplatz gibt es noch das eine oder andere Bier, dann ist aber auch Schluss für heute.

Tag 2

Das Programm geht am Samstag schon bedeutend früher los. Obwohl es mir gelingt einigermaßen zeitig aufzustehen, ist das Rührei am Frühstücksstand natürlich schon wieder ausverkauft. Dann gibts halt ersatzweise eine Zimtschnecke zum Kaffee.

Mittags 12 Uhr, das Konterbier ist schon lange versenkt, gehts los mit CURSE OF LIFE. Das fünfköpfige Gespann aus Mettenheim spielt Alternative Rock / Metal, darunter hauptsächlich Coversongs. Unter den gecoverten Bands waren: Sabaton, Alice in Chains, Black Sabbath sowie In Extremo. Die Pause zum Umstimmen war recht langatmig, da wäre eine zweite Gitarre von Vorteil gewesen...

Es folgen TRINITY SITE aus dem Frankenland mit Melodic Death Metal. Ihre erste Veröffentlichung ist die EP "Ex Inferis" aus dem Jahr 2012, wo man Einflüsse von Dark Tranquillity, Arch Enemy und auch Soilwork heraushört. Das Quintett spielt eine ordentliche Show und man merkt, dass die Jungs schon einiges an Live-Erfahrung vorzuweisen haben.

Nun sind die Thrasher von WAR AGENDA aus Sinsheim an der Reihe. Sie heizen der Menge noch einmal ordentlich ein, sodass vor der Krautsurf-WM viele ihre Energie schon im Moshpit gelassen haben (was der erzielten Weite dann abträglich wurde).

Die Krautsurf-WM ist eines der Highlights des Metallergrillen. Was verbirgt sich genau dahinter? Auf einem kleinen Hügel wird eine Plastikplane ausgelegt, auf der kurz vor den Surfgängen reichlich Sauerkraut verteilt wird. Die Surfer rutschen nun mehr oder weniger spärlich bekleidet die Plane hinunter, wobei die maximale Weite zählt. Dieses Jahr wurde mit 14,0 m ein neuer Rekord aufgestellt. Im Durchschnitt haben diejenigen mit möglichst wenig Bekleidung die größten Weiten erzielt - und den geringsten Aufwand um die Krautreste und den damit verbundenen Geruch wieder loszuwerden.
Allerdings konnten die Krautsurfer nach dem letzten Surfgang dieses Jahr kein Bad mehr in der neben dem Gelände vorbeifließenden Alsenz nehmen. Ob den Fischen letztes Jahr das Sauerkraut nicht bekommen ist? Aber es gab ja immerhin einen Brausekopf an der Wasserstelle, mit dem man sich duschen konnte.

Schade war es, dass KING CHROME mit ihrem Set bereits losgelegt haben, als die Krautsurf-WM noch nicht zu Ende war. So spielten sie gut die Hälfte ihrer insgesamt sehenswerten Show vor einem sehr kleinen Publikum. Sie spielen Stoner Rock / Metal mit Southern-Rock-Einflüssen; ähnlich klingende Bands sind Down, Black Label Society und Queens of the Stone Age.

Mit ONE LAST LEGACY geht es stilistisch in ähnlicher Weise weiter, wobei ihr Stil ein wenig mehr Modern Rock ist. Wem die Musik von Bands wie Motorjesus, Staind und Alter Bridge gefällt, kann hier nichts falsch machen.

Es folgt gegen 18 Uhr ein kurzes Gewitter und bei bereits nachlassendem Regen beginnt die Show von SERGEANT STEEL. Die Österreicher haben bereits als Supportband für Größen wie Deep Purple gespielt. Sie präsentieren melodischen Hard Rock / Glam Rock im Stil der 80er Jahre und liefern eine sensationelle Show ab.

Noch einmal kurz durchatmen, bevor es richtig heftig wird: WINTERSTORM sind sprichwörtlich die Ruhe vor dem Sturm. Eine gelungene Power-Metal-Show erwartet den Besucher, während langsam am Westhorizont die Sonne untergeht. Und mit der Dunkelheit wird es auch musikalisch düster, denn nun folgt der zweite Headliner des Festivals.

Die Todesmetaller von DISBELIEF geben sich die Ehre und präsentieren einen bunten, brutalen Mix aus 24 Jahren Bandgeschichte. Natürlich dürfen einige Songs von ihrem letzten Album "Heal!" aus dem Jahre 2010 nicht fehlen. Ob und wann ein Nachfolger kommen wird, ist uns derzeit nicht bekannt.

Nun sind wir schon bei der letzten Band angekommen: Es ist Stallzeit, hier kommen die Ziegen von MILKING THE GOATMACHINE! Zum Abschluss wird noch mal richtig aufgedreht und es folgt gegen Ende der Setlist auch eine Wall of Death. Die Show war super, auch wenn einer der beiden Gitarristen Probleme mit seiner Flunke hatte und sich dementsprechend nicht viel auf der Bühne bewegen konnte. Er hat trotz Schmerzen bis zum Schluss tapfer durchgehalten, wo manch andere Band den kompletten Gig gecancelt hätte. Sogar eine Zugabe gab es noch. Um kurz nach zwölf war dann aber wirklich Schicht und das Festival ging langsam zu Ende. Etwa anderthalb Stunden später macht sich langsam Nebel über dem Gelände breit und das Thekenpersonal geht in den Feierabend.

Sehr gut gelöst war das Verlegen der Leitungen zum FoH-Zelt. Auf dem Metallergrillen gibt es keinen Kabelkanal, der den Bereich vor der Bühne in zwei Hälften teilt und zur Stolperfalle für jeden Mosher wird. Die Kabel gehen vom linken Bühnenrand im Bogen zum Mischpult. Allerdings ist es etwas riskant, die Strippen ohne Kabelkanal zu verlegen. Da braucht bloß mal jemand einen Stein im Profil hängen haben, tritt auf eines der Kabel und schon gibts nen Kurzen. Ausfälle bei der Technik waren dieses Jahr zum Glück nicht zu beklagen.

Was nicht so ganz rund lief, war die "Instandhaltung" der Dixi-Toiletten: Wer kein eigenes Papier dabei hatte, war zu beinahe jeder Tages- und Nachtzeit aufgeschmissen - interessanterweise auch kurz nach der Reinigung. Ebenso war meistens nur ein kleiner Teil der Dixis noch halbwegs sauber.

Fazit

Das Metallergrillen lohnt sich als kleines Festival von Fans für Fans immer, unabhängig vom Lineup. Dieses Jahr war mit Tankard natürlich ein großer Headliner dabei, aber auch sonst war es durchaus gelungen. Kritikpunkte gibt es nur wenige. Nächstes Jahr sind wir auf jeden Fall wieder am Start. Same procedure as last year - same procedure as every year!

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Olli

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  • Autor: Olli (31) aus Mainz
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