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Heavy Metal Woodstock

Nachbericht Muskelrock 2016

Schweden, das skandinavische Land, welches die allermeisten wohl zuerst mit IKEA und Elche verbinden. Musikalisch hingegen ist es aber auch nicht erst seit der „New Wave of Traditional Heavy Metal“ eine absolute Hochburg an guten Bands. Somit ist es auch klar, dass es dort auch gute Festivals geben muss, unter anderem das Muskelrock, welches ich am letzten Wochenende besucht habe. Ein ausführlicher Reise- und Festivalbericht über eines der faszinierenden Wochenenden, die ich erleben durfte.

Anreise

Wir starten in meiner Heimatstadt Herborn. Der Kater nach dem zehntägigen Hessentag hängt noch nach und es ist kalt und regnet. Ich sitze in meiner Stammkneipe, das mit Festivalstandardausrüstung bepackte Auto steht vor der Tür.

„21:00 Uhr Abfahrt“ sagte ich meinem Reisebegleiter den Tag zuvor. Geplant war die Nacht durchzufahren und am nächsten Mittag anzukommen. Drei weitere Kaffee später traf dieser dann schließlich um 23:00 Uhr ein, so konnten wir zwar verspätet – aber immer noch wohl entspannt starten.

 

Ausgerüstet mit viel Heavy Metal sowie Hörspielen an Bord ging es nun Richtung Alvesta, Smallland, Schweden. Das Navi sagte etwas von 1150 km. Wir hatten uns zuvor entschlossen, die Landroute über Flensburg, Odense und Kopenhagen/Malmö zu fahren und die teuren Fähren zu meiden.  Nach ca. 6 Stunden, einer Menge Schwedenstahl sowie dem Fall des Hauses Usher im Ohr war dann kurz vor Flensburg Fahrerwechsel angesagt. Robert steuerte uns über die absolut sehenswürdigen Brücken zwischen West- und Ost-Dänemark sowie über die Öresundbrücke nach Malmö. Dort legten wir einen kleinen Zwischenstopp ein und ich fuhr dann die restlichen 2 Stunden über  schwedische Bundesstraßen zu unserem Zielpunkt.

Man muss sich das ganze in Schweden so vorstellen. Bundesstraßen führen durch Häuseransammlungen – geschlossene Ortschaften wie wir das in Deutschland kenne, gar mit Hauptstraßen, konnte ich entlang der Route nicht entdecken. Die Straßen sind alle frei, gut ausgebaut und angenehm zu fahren. Der Tempomat war mein bester Freund.

 Gegen Mittag kamen wir dann in Alvesta an. Das Festival selbst lag ein paar wenige Kilometer südlich in der Veranstaltungslocation „Tyrolen“.  Über diese komme ich wenig später noch zu sprechen.

Wir steuerten den Wagen also dorthin und entdeckten direkt, dass sich in gerade mal 5 Minuten Fußweg Entfernung ein See mit Strand befand. Aufgrund der hier herrschenden 30 Grad und des Sonnenscheins eine wichtige Erkenntnis.

Auf dem Gelände selbst warteten wir zunächst auf unsere Freunde der Bands Screamer und Night, auf deren Einladung wir überhaupt erst zu dieser Ehre gekommen sind. Stellvertretend danke hierfür an  Henrik, Dejan und Oskar.

Während des Wartens kam ein gewisser Joakim zu uns, er trank ein Veltins mit und schwärmte (wie soll es auch anders möglich sein) von Bullet. Es war das letzte mal, dass man Joakim bei halbwegs klarem Verstand gesehen hatte. 

Mittlerweile hatten wir auch unser Camp mit den schwedischen Freunden begründen können und so stand der erste Abend, unter dem Zeichen des gemütlichen Bieres sowie des freundschaftlichen Austauschs. Im „Partyzelt“ – eine Art kleines Zirkuszelt vor dem eigentlichen Gelände spielten mit Amulett zwar eine ziemlich coole Heavy-Metal-Band jedoch schonte ich meine Ohren an jenem Abend noch.

Freitag

Da es in Schweden zu dieser Jahreszeit erst sehr spät dunkel und auch früh wieder hell wird, war bereits recht früh um 08:00 Uhr in einem von der Sonne erhitzten Zelt die Nacht beendet. Wir stellten fest, dass der Campground sich gut gefüllt hatte – ich tippe so auf ca. 800-1000 Gäste. Parken und Zelten war dort zwar getrennt, aber aufgrund der geringen Größe des Geländes stellte dies überhaupt kein großes Problem da. Schön anzusehen, mit welchen legendäre und auch schrulligen – teilweise in Deutschland sicherlich nicht zulässigen – Bussen und Autos die Schweden angereist sind.

Bei einer Tour  über das Gelände lernten wir mit Dani und Mari aus Süddeutschland neue Freunde kennen, die ich hoffentlich noch öfter wiedersehen werde. Die Deutschen machten neben den Schweden den größten Teil an Besuchern aus, ich schätze, dass so ca. 30% der Besucher meine Landsleute waren. Es zeigt, dass hier eine enge Verbindung in Sachen Metal-Underground herrscht. Andere Gäste kamen teilweise aus den USA, Brasilien und sogar einen Australier, der mir aufgrund seines Scalare-Shirts auffiel, habe ich entdecken können.

Pünktlich zum Start holten wir unser Bändchen und betraten anschließend den „60er-Jahre-Park“, welcher das Festivalgelände darstellte. Um diesen Park zu beschreiben, eignen sich fast keine Worte, sondern nur Bilder. Dennoch werde ich es probieren:

Eine größtenteils Open-Air-Fläche mit einer zwischen Bäumen versteckten Bühne, beleuchtete Gestänge über dem Mittelweg, kleine Holzbudchen und eine Rotunde, in der sich die zweite Bühne befand. Diese war überdacht und sorgte für etwas Schutz vor der Sonne. Alles war mit wunderschönen Bildern bemalt, welche für ein klasse 60er-Jahre-Feeling sorgten. Traumhaft!

Wir bestellten uns zunächst mal ein Bier. Alkohol und Schweden ist ja sowieso ein Thema für sich. Für 0,4l bezahlten wir in der Happy-Hour 30 Kronen, welches ca. 3,30 € entspricht. Nach 18:00 kam das Bier 50 Kronen. Im Vergleich zu Deutschland ist dies zwar recht teuer aber aufgrund der allgemein hohen Alkoholpreise in Schweden empfand ich dies als einen fairen Preis. Die Essenspreise bewegten sich in einem ähnlichen Rahmen: Hotdog für 2 €, Teller Tortellini mit Pesto 7 €.

In der Rotunde konnte man sich an einem Flipper-Automat versuchen sowie Tischtennis spielen. Ja richtig. Hier, wo die zweite Bühne war, stand auch in sehr naher Distanz zu dieser eine Tischtennisplatte inkl. Bällen und Schläger. Ich schnappte mir einen von diesen und wartete auf einen Mitspieler. Nicht einmal zwei Minuten später stand mir Alan Averill, der Sänger von Primordial, in Flip-Flops gegenüber und wir spielten uns ein paar Bälle zu. Hier erkennt man auch, wie familiär dieses Festival ist. Die meisten Künstler konnte man zu jeder Zeit für ein Bier im Gelände antreffen.

So, genug geplaudert. Ich bin auf einem Musikfestival und somit stand natürlich der Opener, „Seven Sisters“ auf dem Programm. Traditioneller Heavy Metal aus London, schönes Songwriting, gute Musiker und ein hervorragendes „Randy“-Cover („The Beast“) am Ende. Macht Laune auf mehr.

Die nächste Band spielte nun auf der Rotunde-Bühne. Dieser Wechsel mit gerade einmal 5-10 Minuten Pause durchzog das gesamte Festival und somit hatte man die Chance, alle Bands zu sehen, ohne lange Pausen dazwischen zu haben. Auch sehr schön war, dass jede Band – egal ob Opener oder Headliner – ca. 55 min Spielzeit hatte.

 Also Rotunde. Aggravator aus den USA ließen direkt mal eine Thrash-Walze los, die Tyrolen erbeben lies.

Zex spielten anschließend wieder draußen auf der Bühne. Die optisch auffälligen Kanadier samt durchaus attraktiver Frontfrau „Gretchen Steel“ spielten rotzigen Punk mit einem leichten Einschlag von NWoBHM.

 

Die nächste Band bedeutete Pause und somit konnte ich mich an dem köstlichen schwedischen Cider auf dem Campground erfrischen.

Mit Tysondog stand anschließend wieder eine echte NWoBHM-Band auf der Bühne, die ihre Sache echt gut machte. Starker Gesang, musikalisch einwandfrei an den Instrumente und eine gute Setlist gemixt aus Klassikern und neuem Material.

Die nächste Band für mich war ebenfalls draußen und mit Vardis alte bekannte vom Keep it True-Festival. Mehr eine Rockband denn eine Metal-Formation machen diese „alten Säcke“ einfach nur Bock auf der Bühne. Vor allem die in den Songs dominierenden Instrumental-Parts von Steve Zodiac und Co. lassen einen nur so den Geist des Proto-NWoBHM spüren. 

Rock Goddess und Flight waren dann Pausenbands sodass ich erst zu Antichrist wieder die Rotunde besuchte. Angeschwärzter Thrash-Metal ganz aus der Nähe, nämlich dem schwedischen Växjo hämmerten ein Hit nach dem anderen heraus und vor der Bühne wurde es eng und laut. Für mich nach einiger Zeit dann zu Laut und somit begab ich mich nach draußen, wo mit Satan eine weitere NWoBHM-Legende auftreten sollte.

Sänger Brian Ross habe ich bisher nur mit Blitzkrieg gesehen, mit Satan jedoch immer verpasst. Somit ergab sich hier eine erneute Chance und diese sollte sich auch lohnen. Klassiker des „Court in the Act“-Albums sowie neue Hits der beiden bärenstarken Comeback-Alben „Life Sentence“ und „Atom by Atom“  wechselten sich bei einem gewohnt bockstarken Brian Ross ab. 

Als letzte Band des Tages stand dann für mich eine der Bands an, auf die ich mich im Vorfeld am meisten gefreut habe: Wytch Hazel. Diese haben sich 2011 in England gegründet und vor kurzem ihr Debütalbum „Prelude“ veröffentlicht. Mittelalter-NWoBHM ist wohl die passendste Beschreibung für die Musik, die eben klassische Arrangements mit ein bisschen Mittelalter-Folk – aber eben nicht dieses „In Extremo/Saltatio Mortis-wir-ziehen-in-die-Schlacht-kommt-alle-mit-und-feiert“, sondern eher verträumte und nachdenkliche Melodien mit unglaublich charismatischem Gesang. Live funktionierte dies perfekt, die Band spielte fast das komplette Debütalbum und am Ende tobte die doch noch recht große Meute vor der Bühne und forderte mehr, was aufgrund der Zeit aber leider nicht mehr ging. Aber das sollte noch nicht das letzte mal Wytch Hazel für das Muskelrock sein und somit ging ich zufrieden nochmal kurz in das Partyzelt, welches Musik vom Band lieferte und mit eigenen Getränken betreten werden durfte. 

Samstag

Es war immer noch genauso warm wie am vorherigen Tag.  Kein Regen in Sicht, angenehme 25-30 Grad und Sonnenschein mit ein paar Schön-Wetter-Wolken.

Frühstück wurde in einem sehr nahe gelegenem Pfarrhaus von der örtlichen Kirchengemeinde (ja wir reden immer noch über ein Metalfestival ;-) ) zu einem fairen Preis angeboten. Brot, Müsli, Kaffee, Saft in Buffetform. Auch Duschen war hier möglich, jedoch entschied ich mich eher für ein Bad.

Gestärkt aber noch nicht erfrischt ging es nun an den sehr idyllischen See. Hier tummelte sich schon eine gute Meute an Badegästen welche das angenehme Wasser zur Erfrischung und zum Schwimmen nutzten. Überall hörte man bekannte Musik aus mobilen Boxen und es wurde entspannt und gefeiert. 

Man hatte nie das Gefühl, hier sei es überfüllt oder zu Laut oder zu „Party-mäßig“ sondern es war immer sehr angenehm sich hier zu erholen.

Meinen Start heute sollte die schwedischen Heavy-Metaller von Helvetets Port sein. Diese spielten in dem Zirkuszelt, in welchem die Bühne aus einer Art „Traktor-Anhänger“ bestand und mit Gittern vor dem Publikum „abgeschirmt“ war. Schon vor dem Zelt war klar: hier wird es voll werden. Die Lokalmatadore lieferten ein Feuerwerk ab und das Publikum eskalierte völlig. Die Gitter wurden erklimmt, die Zuschauer stürzten sich von da runter zum Crowdsurfen ab. Es war pure Ekstase aber alles friedlich. Joakim, sichtlich benebelt von mehr als nur Alkohol, versuchte den Auftritt zu filmen, goss sich dabei jedoch seine Dose Tuborg über Kleidung, Smartphone und Tüte,. Mitbekommen hat er das nicht. Ein Zeichen für mich, diese ständige Filmerei bei Konzerten auch weiterhin zu unterlassen.

Der intensivste Auftritt des Festivals, bei dem ich vom Drumstick am Kopf getroffen wurde, diesen jedoch auch nun mein Eigen nennen darf.

 

Die zweite Band für mich an diesem Tag war dann Second Sun. 70er-Jahre Retrorock in schwedischer Sprache, der bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Pure Spielfreude und Hammond-Orgel sorgten dafür, dass ich mir grad die Platte dieser Truppe sicherte.

Mit Ambush stand dann draußen eine der vielen schwedischen NWoTHM an. Quasi ein richtiges Heimspiel, was man Band und Zuschauern auch anmerkte. Eine erstklassige Stimmung zu Songs wie „Possessed by Evil“ oder „Natural Born Killers“. Klassischer Schwedenstahl geht halt irgendwie doch immer.

Nun war meine Stimme endgültig in Mitleidenschaft gezogen, aber egal – rein in die Rotunde zu Wucan, einer deutschen Krautrock-Band, welche ich im März schon lauschen durfte. Starker, erster Schweden-Auftritt. Die Musik passt einfach hierhin und die Rotunde war der richtige Ort. Frontfrau Francis besitzt eine gewaltige Ausstrahlung und mit dem „Wandersmann“ als letzten Song hatte man das Publikum endgültig für sich gewonnen.

Am Abend sollte noch die erste von zwei „Secret Bands“ spielen. Viel wurde an den Tagen zuvor und auch noch am Nachmittag spekuliert: Venom Inc. vielleicht?  Oder doch Demon? Die Band wurde mir spätestens bestätigt, als ich Eddie Malm, den legendären Gitarristen der schon lange nicht mehr existenten „Heavy Load“ bei einem Bierchen traf. Es sollte niemand geringeres, als die Heavy-Load-Tribute-Show der Heathens from the North inkl. Eddie Malm sein. Die Vorfreude wuchs ins Unermessliche.

Aber zunächst konnte man sich bei Gezol, dem Sänger und Gitarristen von Metalucifer und Sabbat die Haare schneiden lassen. Der gelernte Frisör geht also auch bei eigenen Konzerten seiner Pflicht nach. Nein ernsthaft – einfach ein super witziger und lustiger Typ!

In der Rotunde gab es nun Female-Metal aus Spanien mit den Lizzies. Was die vier Frauen hier hinlegten – klasse. Das Publikum dankte es mit lautem Applaus und Trommeln und die Lizzies hätten sogar eine Zugabe spielen dürfen – ja hätte, wenn mein Freund Oskar als Crewmitglied nicht schon die Becken abgeschraubt hätte.

Somit konnte man wenigstens pünktlich raus zu Metalucifer. klassischer Heavy Metal der europäischen Schule mit nicht ganz so ernst gemeinten Texten – das macht immer Spaß. Der Einstieg mit einem eher etwas zu langsam gespielten „Heavy Metal Iron Fist“ war noch etwas schwerfällig, aber spätestens mit „Heavy Metal Chainsaw“ , bei dem die „Swedish Heavy Metal Queen“ Linni auf die Bühne stürmte und eine Spontan-Choreografie mit Gezol inszentierte und dem abschließenden „Heavy Metal Samurai“, hatte der Japaner Gezol um seine europäische Besetzung mit den Mannen von Metal Inquisitor wieder gewonnen 

Jetzt schnell reinstürmen, denn die Heavy Load-Show stand an. Erste Reihe war hier Pflicht und die „Heathens“ begannen zunächst ohne Eddie. Doch dieser kam nach zwei Songs auf die Bühne. Tränen in den Augen! Seit Jahren schreit der Underground nach einer „Heavy-Load“-Reunion und nun steht da zumindest Eddie und singt direkt erst einmal „I’m Alive“.  Zwei weitere Songs sang Eddie, bis die Tribute-Show ohne Eddie weiterging. Am Ende kam er aber nochmal zu „Little Lies“ und „Saturday Night“ zurück. Stimmlich hat er es immer noch drauf und hätte er noch „Take me Away“ selbst gesungen, wäre es wohl der beste Auftritt des gesamten Festivals gewesen.

Den schlechtesten Auftritt durfte ich dann anschließen draußen erleben. Die polnischen Legenden von KAT & Roman Kostrewski sollten eine Thrash-Dampfwalze aus alten „Metal and Hell“-Zeiten abfeuern, aber weder Sänger Roman und noch der Rest der Band wusste mich auch nur annähernd zu überzeugen. Kaum Interaktion untereinander, noch mit dem Publikum, dazu eine eher schwache Setlist. Das war einfach gar nichts!

Es folgten noch Black Lung, aber ich war von den vielen Bands und der Hitze geschafft und somit zog ich mich ins Zelt zurück.

 Sonntag

Letzter Tag.

Dieser begann ebenso mit dem Frühstück im Pfarramt wie am Samstag auch. Jedoch ging es jetzt in Kirche gegenüber. Hier gab es im Rahmen des Muskelrock einen Musikgottesdienst, welcher von Wytch Hazel begleitet wurde. Der Pfarrer zeigte sich sehr offen gegenüber Heavy Metal und war sichtlich glücklich, eine volle Kirche zu haben. Diese bestand zu 70% aus Fans des Festivals, als aber auch aus Besuchern aus dem Dorf, welche die Sonntagsmesse besuchten. Ein sehr interessanter Mix.

 Im Endeffekt dauerte der Gottesdienst 60 Minuten von denen ca. 45 Minuten eine Akustik-Show von Wytch Hazel mit den Songs von der EP sowie dem Album waren.

Das alles passt wirklich sehr gut und hat Zuschauern, Verantwortlichen und Band viel Spaß gemacht. Ein Zeichen, dass sich Kirche und Metal nicht unbedingt ausschließen müssen – und das sage ich als jemand der sonst gar nichts mit der Kirche zu tun hat!

 Aufgrund des immer noch währenden, fantastischen Wetters ging es wieder an den Strand.  Hier was es jetzt fast voller als auf dem Gelände selbst und man muss auch sagen, dass die schwedischen Damen doch recht freizügig sind was baden angeht. Aber das ist ein anderes Thema ;-)

 Der sonst recht angenehme See hatte eine Gemeinheit. Große Steine im Wasser an welchem ich mein Bein doch ziemlich verletzte. Also ging es gegen Spätnachmittag  auf dem Gelände zu den sehr freundlichen und hilfsbereiten Freiwilligen vom Roten Kreuz. Sehr unkompliziert und damit absolut lobend zu erwähnen.

 Zügig verarztet ging es also direkt zu Lethal Steel, ebenso wie Ambush den Tag zuvor typischer, moderner Schwedenstahl der alten Schule. Ich hatte die Band bereits zwei Wochen zuvor als Support von Steelwing in einem kleinen Club gesehen und muss sagen, dass sie mir dort etwas besser gefallen hatten. Auf der Bühne draußen wollte bei mir die Stimmung nicht so richtig überschwappen. Dennoch war es kein schlechter Auftritt der Band, die musikalisch alles richtig macht. 

Auch am Sonntag gab es noch einen „Secret Band“. Demon waren auch hier großer Favorit, jedoch hörte man immer mal den Namen Slough Feg die Runde machen. Dieser wurde bestätigt, als Sänger Mike Scalzi von einem Bekannten erblickt wurde.  So ganz wusste ich nicht was ich davon halten sollte, denn ich kannte nur ein paar vereinzelte Songs, welche ich ganz nett fand, aber nichts was Begeisterung in mir auslöst. Selten in meinem Leben habe ich mich so sehr geirrt. Dazu später mehr.

Hällas sollten als nächstes in der Rotunde spielen. Ich hatte diese nicht auf dem Zettel und wollte eigentlich eher zum Essen und ausruhen auf einer der vielen Bänke dort Platz nehmen. Allerdings lies mich die Band die Verpflegung nahezu vergessen- Hällas spielen leicht angeproggten 70s-Hardrock, aber ebenso mit einer Spielfreude ausgelegt, wie Second Sun am Tag zuvor. Was beeindruckte war, dass jeder Song wirklich anders klang. Während ein Song eher nach Deep Purple klang, kam bei den anderen Wishbone Ash oder alte Rush heraus. Sehr eigenständig das ganze und doch eingängig. Auch hier wurde direkt die Vinyl eingesackt!

 

Einkauf schnell im Auto untergebracht, hetzte ich herein um ja keinen Akkord von Mindless Sinner zu verpassen. Die Schweden aus Linköping hatten in 1986 mit dem „Turn on the Power“-Album ein Lehrbuch des schwedischen Traditionsstahls erschaffen, welches von Mitgröhl-Hits wie „We go together“ nur so platzt.  Kleine Soundprobleme beim Gitarristen  konnten das hervorragende Set, welches hauptsächlich aus Klassikern bestand, nicht trüben – vor allem weil Sänger Christar Göransson es einfach versteht, eine gute Bühnen-Performance hinzulegen.  Der Auftritt war für mich bisher der Beste des gesamten Festivals, aber das sollte er nicht lange bleiben.

 Die bereits erwähnten Slough Feg sollten nun in der malerischen Rotunde spielen und ich entschied mich, im Sitzen von hinten mal reinzulauschen. Es dauerte einen halben Song, da stand ich in der Mitte und war am Bangen und Tanzen.  Die Heavy-Metal-Band aus den USA, mit vollen Namen The Lord Weird Slough Feg, spielen klassischen Schwermetall ebenso mit einer Mini-Prise Folk, aber hauptsächlich stehen hier die filigrane Gitarrenarbeit der beiden Gitarristen Mike Scalzi und Angelo Tringali im Vordergrund, welche ihre Instrumente perfekt beherrschen. Vom ersten Moment an muss man sich zu der Musik bewegen. Wenn man sieht, wie sehr die komplette Band in ihre eigene Musik verliebt ist, Wahnsinn! Das ist warum man Live-Konzerte besucht und warum man den Heavy Metal liebt!  Für mich der beste Auftritt den ich überhaupt für lange Zeit gesehen habe.

 Während ich noch im Staunen war und mit meinem Freund Moritz das grad passierte verarbeitete, begannen draußen schon Diamond Head eine bockstarke Show. Ich kam allerdings erst zur Mitte hinzu, stürmte dann aber direkt in die erste Reihe um eben bei Klassikern wie „Am I Evil“ und „Helpless“ mittendrin zu sein. Wenn man die Songs von dieser starken Besetzung hört, dann merkt man wie gut diese sind. Was Metallica aus ersterem gemacht haben, ist einfach nur traurig!

Deathhammer zerlegten anschließend die Bühne, auf der zuvor  noch Slough Feg den Gig des Jahrhunderts spielten, waren jedoch eine Pausenband für mich, bei der ich mich nochmal für meine letzte Band erholte. Denn Sabbat sieht man in Europa nun auch nicht alle Tage und somit  widerstrebte ich dem  Drang, bei jetzt leicht aufziehender Kälte und Müdigkeit ins Zelt zu gehen.

 Sabbat sollten liefern und sie lieferten.  Auch hier stand Gezol auf der Bühne, jedoch mit seinem Bass beschäftigt. Auch ein kompletter Stromausfall konnte der Stimmung im Publikum nichts anhaben und so wurden die Hits wie Witchflight, Black Fire und natürlich auch Hellfire mit all der „Boshaftigkeit“ niedergeschmettert, die diese Art von Black/Thrash-Metal benötigt.

 

Den Abschluss lieferte die Psychedelic-Band „Kikagaku Moyo“, welche ich aber aufgrund der körperlichen Strapazen und der am Montag zu erwartenden 12-stündigen Autofahrt nicht mehr gesehen habe.

 

Abreise und Fazit 

Am Montag sind wir dann recht früh aufgebrochen. Zwei weitere Gäste aus Deutschland hatte ich zunächst noch an den Bahnhof gefahren, damit diese sich den „Muskelbussen“ sparen konnte.  Kein Witz, die Dinger hießen wirklich so. Es wurde alles entweder auf „Muskel-„ oder die dort spielenden Bands bezogen, welches für einige witzige Kombinationen in Verbindung mit der schwedischen Sprache sorgte. So hieß das Bier „Muskelöl“.

Die Heimfahrt war fast genauso entspannt wie die hinfahrt, jedoch mit ein klein wenig Stau vor Hamburg verbunden. Interessanterweise musste man feststellen, dass es in Schweden und Dänemark aufgrund der dortigen Tempolimits und der Gelassenheit der Fahrer deutlich entspannter ist, als in Deutschland. Gegen 0:30 trafen wir dann wieder in unserer geliebten Heimatstadt ein und somit war das Muskelrock 2016 beendet.

Ich war schon auf einigen Festivals, 30-40 Stück mit Sicherheit. Aber noch nie habe ich solch eine Gelassenheit in Verbindung mit einer angenehmen Größe sowie absolut großartigen Bands  erlebt. Es war mehr ein Urlaub in Verbindung mit Musik anstatt dem üblichen Stress auf Festivals. Natürlich sorgte das fantastische Wetter ebenfalls dafür, da so auch der See entsprechend genutzt werden konnte. Die Bands waren mit Ausnahme von KAT alle richtig gut und haben nicht enttäuscht.

Noch ein Wort zu den Toiletten. Auf dem Campingplatz standen ca. 4 dixi-artige Toiletten. Diese waren grundsätzlich recht sauber, jedoch einfach für die Menge der insgesamt wohl ca. 1.000-1.500 Besucher zu wenig, und somit spätestens seit Sonntag, naja nicht mehr im Besten zustand. Auf dem Festivalgelände standen kostenlose, befestigte Toiletten zur Verfügung die zu jederzeit absolut benutzbar waren. Großes Lob hierfür.

 Das optisch wunderschön gestaltete Festivalgelände ist wohl einzigartig, ebenso wie die idyllischen Bühnen und die Entspanntheit der Gäste. Auch hier hörte ich zwar von einem Diebstahl aus einem Zelt und auch eine Vergewaltigung soll es wohl gegeben haben, aber das waren die einzigen beiden negativen Erlebnisse von denen ich gehört hatte. Abschließend kann ich nur sagen: Ich komme auf jeden Fall wieder, das Festival ist jeden der 1150 Kilometer wert gewesen. Vielleicht probiere ich nächstes Jahr mal den Zug aus, der preislich deutlich günstiger ist als die Sprit- und Mautkosten mit dem Auto.

Drei Worte beschreiben dieses Festival wohl am Besten: Heavy Metal Woodstock!

 

 

 

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