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Die Teufelsmauer bebte

Nachbericht zum RockHarz Open Air 2013

Auch wir waren zu Gast auf dem zwanzigjährigen Jubiläum des RockHarz Open Air in Ballenstedt. Unsere Eindrücke über die Organisation und Bands sowie den Veränderungen gegenüber dem Vorjahr haben wir in unserem Nachbericht beschrieben. 

Der Harz, das höchste Mittelgebirge Norddeutschlands, ist seit Jahrzehnten ein beliebtes Urlaubsziel für Wellness-Reisende und Wanderer. Doch seit mittlerweile zwanzig Jahren ist es auch (zumindest  einmal im Jahr) ein Anlaufziel für Rock- und Metalfans aus ganz Deutschland. Der Grund: Das RockHarz Open Air auf dem Flugplatz Ballenstedt.

Dieses Jahr fand dies vom 10. -13. Juli an besagtem Schauplatz unter der Teufelsmauer (ja, die heißt wirklich so) statt. Eine Änderung, welche gewiefte Leser und RockHarz-Besucher sofort erkennen, ist die Dauer von mittlerweile offiziell vier Tagen. Vier Tage Live-Musik, vier Tage Festival-Stimmung. Dies resultierte aus der neu geschaffenen Warm-Up-Party auf einer extra aufgebauten (und in der Nacht noch abgebauten) Bühne neben den Hauptbühnen. Doch wollen wir, bevor es an die Bands geht, erst einmal auf dem Campingplatz ankommen.

Gesucht – Gefunden – Gecamped

Für die Anreise sollten ortsunkundige auf ein Navigationsgerät vertrauen, denn Ballenstedt liegt tief im Harz versteckt und die nächste Autobahn ist ein gutes Stück entfernt, sodass man viel mit Landstraße zu kämpfen hat. Wer mit dem Bus kommt, hat es einfacher, denn es gibt eine Bushaltestelle mehr oder weniger direkt am Festivalgelände. Da wir aber mit dem PKW vor Ort waren, hörten wir auf die freundliche Dame aus dem Navi. Der Einlass auf den Campground ging trotz Hauptankunftszeit recht flott und wir konnten uns unseren Campingplatz frei aussuchen, was angesichts des großzügig bemessenen Platzes des Geländes kein Problem darstellt. Wir entschieden uns für einen Platz recht weit am Ende des Geländes. Campen am eigenen Fahrzeug war also prima möglich. Nachdem wir alles aufgebaut hatten, wobei man uns keine großen Platzbeschränkungen seitens der Security gab, sondern alles mit dem Nachbarn klärte, ging der Weg erst einmal auf zu den Dixi-Toiletten.

Dixis – Duschen - Dosenpfand

Richtig liebe Leser, Dixi-Toiletten und Festivals sind ein leidiges Thema – nicht aber auf dem RockHarz. Laut Plan wurden diese kleinen Budchen dreimal täglich gereinigt – gefühlt aber mindestens fünf Mal. Wenn wir nicht gerade nachts nach den Headlinern unser Geschäft verrichten mussten, hatten wir stets absolut saubere und relativ leere Kabinen vorgefunden, meist sogar mit Papier bestückt. Desinfektionsmittel war in ausreichender Menge direkt nebenan zu finden. In Sets zu je sechs Stück fand man diese in relativ kurzen Abständen auf dem Campingplatz und auf dem Gelände verteilt – hier muss man wirklich sagen: TOP, das war absolute Champions League in Sachen Dixi-Klo und sind meiner Meinung nach auch gerne 5 € mehr an Eintrittspreis wert. Wer dennoch Spültoiletten bevorzugte, fand diese inkl.  Duschen neben dem Eingang auf das Festivalgelände. Die Duschflatrate des letzten Jahres wurde leider abgeschafft, die Preise waren mit 6 € für eine Dreier-Dusch-Karte dennoch human. Die Duschen waren dafür dann auch recht sauber und mit warmem Wasser bestückt.

Direkt neben den Sanitärbereichen gab es eine tolle neue Aktion zweier gemeinnütziger Einrichtungen. Hier konnte man seine Pfanddosen durch eine Art Torwand werfen und wurde bei zehnmaligem Erfolg mit einer Teilnahme an einer Verlosung um Tickets oder Privat-Dixi für das nächste Jahr belohnt. Das gesammelte Pfand wurde dann zugunsten lokaler Einrichtungen, welche sich um Kinder aus sozial schwachen Familien kümmern, gespendet. Eine tolle Aktion wie ich finde, denn wie oft landen die Dosen vor dem Eingang in den Händen von Pfandsammlern oder sogar im Müll.

Bändchen – Bauchladen - Bierpreis

Die Bändchenausgabe war ebenfalls nahe dem Eingang gelegen und ging recht zügig voran, wobei jedoch  den Mittwoch die Schlange nicht ganz bedient werden konnte, was aber nicht weiter tragisch war, denn auf das Festivalgelände kam man am Warm-Up-Day auch ohne. So konnten die übrig gebliebenen ihr Ticket auch in Ruhe am nächsten Morgen einlösen.

Neu war ebenfalls ein kleiner „Supermarkt“, der alles angeboten hat, was für Camping sinnvoll ist. Von Abwaschmittel über Einweggrill und Grillgut bis zur Zahnbürste war alles zu finden. Die Preise waren selbstverständlich höher als im normalen Geschäft, aber dennoch bezahlbar. Für einen Einweggrill wurden z. B. 4,50 € fällig, den 1,5l Tetra-Pack Orangensaft gab es für 2,50 €.

Die Getränkestände auf dem Festivalgelände waren gut verteilt und schnell zu erreichen. Eine flotte und fähige Bedienung sorgte für schnelles Durstlöschen. Preislich bewegte sich das Ganze im Rahmen, jedoch bediente sich der Veranstalter meiner Meinung nach eines kleinen Kniffes: Es wurden Pfandbecher ausgegeben, welche 0,30 € kosteten. Da diese Becher sehr dünn waren und schnell einrissen oder verloren gingen, hat man sich selten das Pfand zurückgeholt. Zudem normalen Preis von 2,70 € pro 0,33l Gerstensaft, hatte man also meist noch 0,30 € Pfandverlust, sodass man grob 3,00 € für Bier und Cola rechnen durfte.

Bands –Bands - Bands

Warm-Up-Day

Mit Live-Musik ging es dann wie oben  bereits beschrieben am Mittwoch auf einer eigenen Bühne los. Ob es diese eigene Bühne zwingend gebraucht hätte, mag ich zu bezweifeln. Dennoch hat sich der Tausch des Warm-Up-Zeltes und der zugehörigen Party mit der diesjährigen Live-Musik bezahlt gemacht. Als „Headliner“ des Tages spielte die Neue-Deutsche-Härte-Band Megaherz mehr als eine Stunde und wusste schon eine gute Stimmung zu erzeugen. Der Platz vor der sogenannten „Devils Wall Stage“ war zumindest gut gefüllt. Andere hatten ihren Spaß dann wie die Jahre zuvor auch am Stand des Partyschnapses „Ficken“, welcher Mitgrölmusik und besagtes Getränk lieferte. Megaherz nutzten ihre Chance und machten auf sich aufmerksam – wer weiß, vielleicht ist ja nächstes Jahr ein Slot auf den großen Bühnen drinnen.

Donnerstag

Der Donnerstag startete dann mit einer Stunde „Grailrobic“ der Grailknights, welche schon früh am Tag den heiligen Gral zurückeroberten. Auch wenn die Besucher vor der Bühne noch nicht die Masse waren, war die Stimmung sehr gut und mit ihrem epischen Heldengetue sorgten die Gralsritter bereits für gute Stimmung.

„Der verrückte Professor“ Devin Townsend läutete dann gegen Abend die Co-Headliner ein. Der Kanadier lieferte eine sehr gute Performance ab und agierte sehr spaßig mit einigen Besuchern. Dabei spielte er Songs vom neuen Album „Epicloud“, welche bei denen, die sich noch nicht für Subway to Sally vor die andere Bühne gestellt haben, sehr gut ankamen. Nun war aber die Zeit für eines meiner persönlichen Festivalhighlights, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte. Nach den altbewährten Rufen „Blut, Blut, Räuber saufen Blut“ legte die Truppe um Sänger Eric Fish (der erst einmal in die Masse „crowdsurfen“ ist) sehr flott los und bot ein wahres Potpourri an großen Hits. Oftmals wurden diese direkt und ohne Pause vermischt. Entsprechend ausgelassen war die Stimmung und Hits wie „Sieben“ oder jenes „Julia und die Räuber“ wurden laut mitgesungen.

Leider bemerkte man hier ein soundtechnisches Problem, welches sich über nahezu das gesamte Festival durchzog. Die Sänger waren meistens deutlich zu leise abgemischt und im Vergleich zu Bass und Gitarre kaum zu hören. Mit gleichen Problemen hatte dann auch Mille von Kreator zu kämpfen, der zwar schön aggressiv gelaunt war, aber Schwierigkeiten hatte, sich durchzusetzen. Zudem dürften hier die Fans ihre persönliche „Flag of Hate“ gegen den Abmischer gehisst haben, als sie bemerkten, was für eine Übersteuerung man aus Speesys Bass hervorbrachte. Damit waren Kreator leider eine der Enttäuschungen des Festivals, was aber weniger an der Band lag.

Freitag

In der Hitze der Sonne, welche sich Freitag entschlossen hatte zu zeigen, ging es dann zu den „Excrementory Grindfuckers“, die mit ihrem spaßigen Grindcore für eine fette Party vor der Bühne sorgten. Party gab es dann auch bei den Piraten von  Alestorm, was sicherlich nicht zuletzt am Alkohol lag, der bei Fans und Band hier in hohen Mengen floss.

Einen Stimmungswechsel gab es dann bei Dark Tranquillity, welche danach ihre Hand an die Gitarre legen durften. Technisch nahezu perfekt hatte ich jedoch das Gefühl, dass das neue Album noch nicht ganz beim Publikum zündet – schade eigentlich.

Drakonischer Powermetal war dann anschließend bei Dragonforce  angesagt. Was die Truppe macht, klingt ja alles sehr gut und geht klasse ins Ohr – doch leider habe zumindest ich das Gefühl, dass sich jeder Song gleich anhört. Dennoch ist „Through the Fire and Flames“ schon jetzt fast ein Klassiker im europäischen Power-Metal.

Klassiker im Folk-Bereich sind auch Eluveitie, die direkt danach dran waren. Sie spielten ihr gewohntes „Helvetios“-Set vom neuen Album und wussten die Massen in Schwung zu halten. Doch auch Sänger „Chrigel“ kämpfte mit dem Problem der schwachen Abmischung.

Stu Block von Iced Earth startete sogar die ersten Zeilen von „Dystopia“ ohne Gesang – hier hat wohl einer vergessen das Mikro anzuschalten. Die Amerikaner litten scheinbar darunter, dass direkt nach ihnen mit Accept ähnlicher Metal als Headliner auf der Nachbarbühne geboten wurde, sodass sich viele Fans eher auf den Gig der Teutonen vorbereiteten, als Jon Schaffer&Co zu lauschen. Natürlich kommen Songs wie „Watching over me“ auch bei zurückhaltender Stimmung sehr gut an, aber dafür, dass ich Iced Earth als Highlight im Vorfeld betrachtete, war ich auch hier ein wenig enttäuscht.

Belohnt wurde man dann allerdings bei Accept. Leute, die Jungs sind in der Form ihres Lebens. Welch eine Spielfreude, welch eine Stimmung und welch eine Setlist. Ob Klassiker wie „Fast as a Shark“, das obligatorische „Balls to the Wall“ oder neues Material wie „Pandemic“, eine ausgelassene Bewegung in der Menge und viel Gesang im Publikum haben diesen Auftritt zu dem Top-Act für mich gemacht.

Der Tag war dann für mich schon gewonnen und so ging ich trotz Soulfly und Feuerschwanz, welche noch spielen sollten, ins Zelt.

Samstag

Am letzten Festivaltag brannte die gleiche Sommerhitze wie am Tag zuvor und so ging es schon durchgeschwitzt zu den A-Capella-Metallern von Van Canto. Man kann sich darüber streiten, ob das Metal ist was die Jungs(+ eine Frau) da machen oder nicht, aber Stimmung machen können sie, was nicht zuletzt an den Coverversionen von Iron Maiden und Grave Digger liegt. Hier reagierte das Publikum anfangs mit Gesängen des zu leisen Sängers, und Philip „Sly“ Schunke gab dies auch direkt an die zuständigen Mixer weiter, welcher es sofort verbesserte.

Dies hielt auch noch bei Tankard an, die somit das Glück des guten Sounds hatten und eine deutlich ausgelassenere Stimmung und erinnerungswürdigeren Thrash boten als die Kollegen von Kreator am Donnerstag. Sänger Gerre war wie immer gut aufgelegt und rannte und hetzte über die Bühne als gäbe es keinen Morgen mehr. Klasse!

Bei Ensiferum weiß man auch, was man bekommt. Der Auftritt war in Ordnung, aber nichts Besonderes. Ein gewohntes Set mit typischen Hits wie „Token of Time“ wurde geboten, aber man hatte hier nicht das Gefühl, dass sich die Band die Seele aus dem Leib spielt.

Ganz im Gegensatz zu den Fun-Metallern von J.B.O.! Dies ist aber jetzt zweideutig zu sehen: Die Band an sich war sehr gut aufgelegt, spielte Hits wie „Bolle“ oder „Verteidiger des Blödsinns“, machte Witze über Frei.Wild und befahl dem Publikum die Erlangener Kollegen in „Fiddler’s Pink“ umzubenennen. Leider war wohl der Promillepegel bei einem Großteil der Zuschauer an die Grenzen geraten, und so entwickelte sich vorne durchaus eine Form von „violent dancing“, welches bei mir persönlich für eine verbogene Sonnenbrille und eine blutende Nase sorgte. Dass hatte ich mir anders vorgestellt und somit kam die Stimmung bei mir nicht wirklich an.

Der dritte echte Headliner wartete schon in den Reihen und mit Avantasia kam die Truppe mit der längsten Spielzeit überhaupt. Entweder man hasst Tobias Sammet, oder man liebt ihn. Musikalisch geboten wurde auf jeden Fall feinster Melodic/Power-Metal, unter anderem mit Michael Kiske und Bob Catley als Gaststars. Leider hatte vor allem Kiske mit der schwachen Abmischung Probleme gehabt, sodass er kaum zu hören war. Schade bei solch einer tollen Stimme. Zudem kam das typische „Tobi Sammet-Problem“ zu tragen, dass er mehr Zeit mit Geschichtenerzählen als mit Singen verbringt. Dennoch tat dies der Stimmung nicht schlecht und Kiske und Gitarrist Oliver Hartmann wurden für ihre Glatzkopf-Frisuren vom Publikum gehörig gefeiert. Ein durchaus gelungener und headlinerwürdiger Auftritt der Metal-Oper.

Mit Finntroll und Fiddler’s Green war danach noch einmal Party angesagt! Ob irischer oder finnischer Folk, ausgelassen feiern konnte man bei beiden Bands. Nachdem die Speed-Folker die letzte Band des Festivals waren, ging es dann auch in die Koje.

Sonne – Shopping – Schmankerl

Auch wenn wir Metaller ja eher keinen Gott oder maximal Odin anbeten, aber Himmel – Petrus sei Dank. Besseres Festivalwetter kann man sich kaum vorstellen. Während es sonntags noch leicht kühl war und der Zipper seine Daseinsberechtigung hatte, war es Freitag und Samstag gut warm, mit dem erfrischenden Lüftchen des Harzes und auch den Sonntag beim Abbau trocken. Ein Festival ohne Regen, so etwas gibt es nicht oft.

Wer dennoch hätte sich für anderes Wetter einkleiden müssen, hätte dies problemlos gekonnt, denn eine große Shoppingmeile mit diversen Händlern von Lederware über Schmuck hin zu CD und Vinyl war vorhanden. Direkt daran schloss sich die Fressmeile an, wo man eine recht große Auswahl zu normalen Festivalpreisen bekam.

Wer hier nichts gefunden hatte, konnte sich auch mit dem Linienbus nach Ballenstedt fahren lassen um dort bei Lidl&Co. shoppen zu gehen. Ein Trip hin und zurück war in ca. 1,5 Stunden möglich und kostete flauschige 2,60 €.

Abschied

Am Sonntag ging es dann Richtung Heimat. Bei bewölktem Himmel bauten wir unser Camp ab und sammelten den Müll. Wo andere Festivals aber noch auf baren Müllpfand Wert legen, ist auch das RockHarz eigen. Denn wer einen gefüllten Müllsack am letzten Tag abgibt, bekommt ein großes Poster mit dem kompletten Festival- und Campground, welches am Tag zuvor per Flieger aufgenommen wurde. Sehr lobenswert und die Erinnerung per Plakat ist wertvoller als fünf lausige Euro.

Letztendlich lässt sich sagen, dass das RockHarz 2013 nahezu perfekt organisiert war und bis auf die schlechte Soundabstimmung kaum einen meiner Wünsche für ein Festival offen gelassen hat. Das Wetter hat natürlich perfekt mitgespielt und der Musikgeschmack einzelner Bands ist sehr subjektiv.

Für das nächste Jahr sind mit Children of Bodom und Soilwork bereits zwei Bands bestätigt, die eigentlich hätten dieses Jahr schon spielen sollen. An dem Konzept der zwei gleichgroßen Bühnen, die immer abwechselnd spielen, sollten die Veranstalter nichts ändern, denn so kann man wirklich JEDE Band sehen die man möchte und hat keine langen Pausen zwischen den einzelnen Auftritten.

Wenn nichts dazwischen kommt, werde ich beim RockHarz 2014 sicher mit dabei sein und kann daher das RockHarz bedenkenlos weiterempfehlen, denn das RockHarz 2013 hat sich absolut gelohnt! Bis nächstes Jahr.

Deine Meinung

philip

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